Geschichte der Fachwerkkirche

VON FELDSTEIN ZU FACHWERK

 

Mit den deutschen Siedlern kam auch die christliche Religion ins Gebiet. Es wurden Kirchen errichtet, die in ihrer ursprünglichen Gestalt und Bauweise in vielen benachbarten Orten noch bis heute erhalten sind. Als Baumaterial dienten die vorhandenen Feldsteine.

 

Auch die Tuchener Kirche war ursprünglich eine Feldsteinkirche und wurde höchst-wahrscheinlich zur Zeit der Ortsgründung um 1232 errichtet. Leider hat sie in dieser Gestalt die geschichtlichen Wirren nicht überstanden. Nach den Verwüstungen des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) befand sich das Bauwerk in einem trostlosen Zustand.

 

 

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So ist im 1680 beginnenden Kirchenrechnungsbuch zu lesen, die Kirche sei „in schlechten Würden und sieht so aus, dass es jeden jammert, gestalt denn bei Regenwetter niemand darin trocken sitzen kann. Auch allenthalben die Wände, deren einige allbereit ausgefallen, insbesondere der Teile gegen Abend, so nebst dem Türmchen dem Einfall drohen".

 

Im Jahre 1711 schrieb der Biesenthaler Amtmann Neuendorf an Friedrich I., König von Preußen, u. a.: „Ihro Königliche Majestät in tiefsten Demut und Untertänigkeit vermöge meines Amtes, wie dass die Kirche Tuchen unter Ihro Amte Biesenthal gelegen, in solchem miserablen Zustande, dass darinnen ohne Lebensgefahr dem lieben Gott unmöglich mehr kann gedienet werden, weil sie altershalben augenblicklich dem Einfall drohet". Der Amtmann bat den Preußenkönig um finanzielle Hilfe und um Bereitstellung von Baumaterialien und schrieb weiter, dass die Kirchen „übern Haufen geworfen und ganz neu erbaut werden muss".

 

Mit einem finanziellen Zuschuss seitens des Königs und mit Spenden der Dorfbewohner begann man noch 1711 mit dem Aufbau des Kirchenschiffs. Bei den Abrissarbeiten fand man auch das lange vermisste „Kirchen-Kässchen". Das Kirchenrechnungsbuch verbuchte 145 Taler für Zimmerlohn und 100 Taler für Maurerarbeiten. Der Turm wurde erst 1718 vollendet, so weist es die Wetterfahne aus.

 

 

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Auf den noch vorhandenen Fundamenten der Feldsteinkirche stand nun ein neuer rechteckiger Fachwerk-Sakralbau, ein für diese Region untypischer Bau. Der Erhalt forderte Maßnahmen der ständigen Werterhaltung, die in den folgenden Jahren an der Tuchener Kirche vernachlässigt wurde. Trotz einer im Jahre 1856 erfolgten Instandsetzung verfiel das Bauwerk immer mehr und wurde im Laufe des Jahres 1973 wegen Baufälligkeit geschlossen.

 

Bereits Mitte der achtziger Jahre unternahm die damalige Gemeindevertretung gemeinsam mit der Kirchengemeinde Anstrengungen zur Rettung des Gebäudes. Die in Auftrag gegebenen Untersuchungen waren aber wenig ermutigend. Die für eine Restaurierung erforderlichen finanziellen und materiellen Mittel gingen weit über das hinaus, was der Gemeindekirchenrat aufzubringen vermochte. Auch die politische Gemeinde sah sich außerstande, helfend zur Seite zu stehen.

 

 

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Die Kirche wurde mehr und mehr zum Schandfleck im Ortsbild und eine akute Gefahrenquelle. Angesichts dieser Situation nahm die Zahl der Stimmen zu, die den Abriss forderten. Doch die Entscheidung über Abriss oder Rekonstruktion übernahm im Herbst 1990 ein heftiger Wind und das Kirchenschiff stürzte in sich zusammen. Nun wurde sie zum Abriss freigegeben.

 

Die Gemeindevertretung entschied sich nach vielen, sehr konträr geführten Gesprächen für den Wiederaufbau. Dabei haben zwei Aspekte eine wesentliche Rolle gespielt: Erstens setzte sich die Auffassung durch, dass das Ortsbild ohne die Kirche an Ansehen verlieren würde. Zweitens signalisierte der Gemeindekirchenrat die Bereitschaft, die Kirche in das Eigentum der Gemeinde Tuchen-Klobbicke zu geben. Der damalige Bürgermeister Jürgen Lange hat dann mit viel Initiative die Bereitstellung von Fördermitteln erreicht und sich für einen zügigen Wiederaufbau eingesetzt. Von 1991 bis 1994 wurde der Kirchturm rekonstruiert und das Kirchenschiff neu errichtet. Am 14. Januar 1994 konnte Richtfest gefeiert werden. Im Herbst 1997 ging die Kirche in den Besitz der Gemeinde Tuchen-Klobbicke über, wobei der Kirchengemeinde Nutzungsrechte gewährt wurden. 1998 standen weitere Fördermittel für den Innenausbau bereit. Die Kirche erhielt wieder die ursprüngliche Empore, es erfolgte die Elektroinstallation und der Einbau einer modernen Heizung.

 

 

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Auch die Glocke, 1934 von der Gemeinde gekauft, fand nach Abschluss der Bauarbeiten wieder ihren Platz im Turm. Sie ist eine Arbeit aus der Werkstatt von Franz Schilling & Söhne 1826 Apolda mit folgendem Spruch:

"Seit fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet".

Röm. Cap. 12 v.12

 

Es ist wahrlich nicht übertrieben, wenn gesagt wird: Der Wiederaufbau der Kirche Tuchen ist ein überzeugender Beweis dafür, dass Handwerker aus unserer Region eine solide Arbeit leisten können. Eine kleine Tafel an der Südwestseite der Kirche gibt Auskunft über die bauausführenden Gewerke, die alle mit sichtbarem Erfolg bemüht waren, die Tuchener Kirche originalgetreu zu rekonstruieren.

 

 

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